Lesen

Unser nächstes Treffen findet statt am  Freitag, den 21. Juni um 9.30 Uhr im Stalli54.  

Wir haben uns für ein neues Buch entschieden, den Roman "Auf beiden Seiten" von Lukas Hartmann. Die Handlung beschreibt den Einfluss des "Kalten Krieges", P26 und Stasi, auf drei Generationen einer Familie.
Details hier.

Kontakt: Susanne Lehmann, su.le@bluewin.ch

Inhalte früherer Treffs: 

Paolo Cognetti beschreibt in seinem Buch "Acht Berge" das Leben zweier Freunde, die ihre Kindheit in einem zerfallenden Bergdorf am Fusse des Monte Rosa verbringen. Beide begleiten den Vater von Pietro schon in früher Jugend auf Wanderungen in die Berge und auf Gletscher. Sie bleiben begeisterte Berggänger und mit der grandiosen Landschaft verwurzelt.
Während es den einen der Freunde, Pietro, auch in andere Weltgegenden zieht, in die Gebirge Nepals, verlässt der andere, Bruno, nie sein Dorf und versucht vergeblich, eine Existenz aufzubauen. Pietro und Bruno bleiben sich trotz ihrer unterschiedlichen Lebenswege verbunden, bis Bruno im Lawinenwinter 2014 eines Tages nicht mehr in seiner Hütte angetroffen wird und verschollen bleibt.


Im Buch "Die Dunkelheit in den Bergen" von Silvio Huonder lässt sich anhand eines nie ganz aufgeklärten, historisch belegten Kriminalfalls im Jahr 1821, die Entstehung eines Rechtssystems im Kanton Graubünden mitverfolgen. Ein fünffacher Mord ist geschehen und Johann Heinrich von Mont macht sich in seiner Funktion als Verhörrichter daran, Licht in die Geschehnisse zu bringen. Mit Kutsche, zu Pferd und zu Fuss werden die wahrscheinlichen Täter durch die eindrücklich beschriebene Berglandschaft verfolgt. Die Gewaltentrennung ist noch nicht vollzogen, Baron von Mont ist Polizeidirektor, Gefängnisleiter, Strafverfolger, Verhörrichter und bald auch erster eidgenössischer Fremdenkommissar in einer Person. Für ihn stehen Recht und Gesetz an oberster Stelle. Todesstrafe und Folter sind an der Tagesordnung. Schon damals gibt es Stress und Personalmangel, zu wenig Landjäger stehen für die Suche nach Verbrechern zur Verfügung. Schliesslich werden die mutmasslichen Täter gefasst, es bleiben aber Zweifel am Tathergang.


Das Buch "Tyll" von Daniel Kehlmann löste bei den Teilnehmern der Lesegruppe eine sehr engagierte und kontroverse Diskussion aus. Die einen sahen einen nicht ganz den historischen Tatsachen folgenden Roman, die anderen konzentrierten sich mehr auf die Figur des Tyll Ulenspiegel. 
Dieser lebt als Gaukler und Hofnarr inmitten der Wirren des Dreissigjährigen Krieges. Er begegnet auf seinem Weg unterschiedlichsten Menschen, armen, hungernden, einflussreichen, provoziert, bringt unangenehme Wahrheiten ans Tageslicht. Als Narr darf er das. Unverhofft taucht er auf und verschwindet dann auf geheimnisvolle Weise. "Tyll" will niemals sterben und rettet sich immer wieder aus scheinbar ausweglosen Situationen. Ein Buch voller Rätsel!


Mit fantasievoller und kreativer Sprache erzählt die Schriftstellerin Melinda Nadj Abonji in "Tauben fliegen auf" von der Emigration einer ungarischstämmigen Familie aus der Vojvodina in die Schweiz. Sie schildert anschaulich die Zerrissenheit der Menschen zwischen der alten und der neuen Heimat, die unterschwelligen Diskriminierungen und den Rassismus, denen sie ausgesetzt sind, trotz Einbürgerung. Heimweh wird spürbar bei Besuchen in der Vojvodina, nach der Natur, den Tieren, Gerüchen, Familienfesten.  Die nachfolgenden Balkankriege hinterlassen tiefe Spuren bis in die Schweiz. Angehörige werden eingezogen und umgebracht, Land enteignet, die Bauern vertrieben. Dieser Roman hat uns die Sorgen der Menschen aus den ehemaligen Balkanstaaten verständlich gemacht.


Im Roman "Der Tod ist ein mühseliges Geschäft" von Khaled Khalifa wird eine Reise durch das kriegsversehrte Syrien für drei Geschwister zum Alptraum. Sie transportieren ihren toten Vater in sein Heimatdorf, wo sie ihn, seinem Wunsch folgend, neben seiner verstorbenen Schwester begraben wollen. Auf der Fahrt müssen sie unzählige Kontrollen von wechselnden Interessengruppen des Bürgerkriegs über sich ergehen lassen. Die Geschwister sind zerstritten, die Familiengeschichte, die im Buch beschrieben wird, scheint ein Abbild der desolaten Situation Syriens. Trotz der widrigen und für den Toten unwürdigen Umstände findet die Reise schliesslich ein Ende. Die Reisenden erreichen ihr Dorf, der Vater kann beerdigt werden, wenn auch weitab vom Grab seiner Schwester. Die Geschwister gehen auseinander, sich fremd geblieben und unversöhnt.


Robert Menasse lässt uns mit seinem Roman "Die Hauptstadt" einen Blick hinter die Kulissen der Europäischen Union werfen. Die Kommissionsmitglieder der EU werden von vielerlei Problemen geplagt, die die politische Arbeit in den Hintergrund rücken lassen.
Das schlechte Image der Kulturkommission soll mit einer Jubiläumsveranstaltung aufgebessert werden. Doch die Vorschläge der Generaldirektion Kultur für ein "Big Jubilee Project" stossen auf wenig Gegenliebe. Auschwitz und die "Überwindung des Nationalgefühls" sollen zum Thema der Feier gemacht werden. Dieses Vorhaben ruft aber die Nationen und ihre Vertreter in der EU auf den Plan. Ein vertuschter Mord und ein angeblich umher irrendes Schwein, das Brüssel unsicher macht, verwirren die Lage zusätzlich. Schliesslich führen persönliche Karrierepläne, Intrigen und Unstimmigkeiten unter den verschiedenen Nationen zum Scheitern des Projekts.


Viel ist in Vergessenheit geraten vom Leben der Bergbevölkerung im 19. und 20. Jahrhundert in den Alpentälern der Schweiz. Das Buch "Das grüne Seidentuch" der Schriftstellerin Marcella Mayer führt uns ins Bergell und ins Engadin und schildert das Leben ihrer eigenen Vorfahren über vier Generationen. Für uns sind die harten Arbeitsbedingungen und die beengten Wohnverhältnisse der damaligen Zeit fast nicht vorstellbar. Sehr gross waren Solidarität und Hilfsbereitschaft unter den Familien und Dorfbewohnern. Arbeitsstellen wurden mündlich von Mensch zu Mensch gesucht und gefunden. Trotz des entbehrungsreichen Lebens erreichten die Menschen nach Aufkommen des Tourismus und der Fremdenindustrie einen gewissen Wohlstand. Dieser war, und ist es heute noch, abhängig von den Gästen aus allen Ländern Europas.


Der Roman von Kazuo Ishiguro "Was vom Tage übrig blieb" bescherte uns eine engagierte Debatte über verpasste Gelegenheiten und die politischen und gesellschaftlichen Zwänge Englands zwischen den beiden Weltkriegen. 


Auf einer Autofahrt durch England blickt der Butler Mr. Stevens auf Jahrzehnte seines Lebens zurück, die er in unbedingter Loyalität zu seinem Arbeitgeber Lord Darlington auf dessen Landsitz verbracht hat. Mit Wehmut erinnert er sich an seine ungelebte Beziehung zu Miss Kenton, der Haushälterin, ist enttäuscht von den politischen Zielsetzungen des mittlerweile verstorbenen Lord Darlington. Er glaubt, als "grosser Butler" keine Gefühle oder Kritik zulassen zu können. Obwohl er immer wieder die Würde seiner Arbeit, des Arbeitgebers und seiner Gäste betont, missachtet er seine eigenen Bedürfnisse und seine Würde als Individuum.

  Letztendlich kehrt er zu seinem neuen Dienstherrn Mr. Farraday nach Darlington Hall zurück mit dem Entschluss, nicht länger zurückzuschauen, sonder das Beste aus dem zu machen, "was vom Tage übrig bleibt."


Das Buch
"Gehen, ging, gegangen" von Jenny Erpenbeck hat uns den Albtraum des Flüchtlingsdaseins bewusst gemacht. Richard, ein pensionierter Professor, beginnt sich für die Lebensumstände von Asylbewerbern in seiner Heimatstadt Berlin zu interessieren. Er besucht sie in ihrer Unterkunft, führt viele Gespräche, nimmt an ihrem Tagesablauf teil. Gleichzeitig überdenkt er sein eigenes Leben, die Flucht als Säugling mit der Mutter aus besetzten Gebieten, seine Kindheit in Ostberlin nach dem zweiten Weltkrieg, die Wende. Durch seine persönlichen Erfahrungen ist seine Wahrnehmung geschärft, er begegnet den Flüchtlingen mit grosser Offenheit.


Der Wissenschaftler Daniel Shechtman hat für seine Entdeckung der Quasikristalle 2011 den Nobelpreis für Chemie erhalten.

Im Buch "Quasikristalle" von Eva Menasse verläuft das Leben der Xane Molin wie die Anordnung der Quasikristalle, "geordnet aber nicht ganz regelmässig strukturiert". Die einzelnen Sequenzen dieser Biografie fügen sich wie ein Puzzle ineinander und hinterlassen den etwas zwiespältigen Eindruck einer kämpferischen, selbständigen Ehefrau, Mutter, Freundin, Chefin, Grossmutter. Ein volles Leben wird hier, zum Teil nur andeutungsweise, beschrieben und lässt den Lesern viel Spielraum für eigene Interpretationen.

Obwohl sich nicht alle Teilnehmer unserer Lesegruppe von der bildhaften Sprache der Schriftstellerin Juli Zeh angesprochen fühlten, sorgte die verworrene Beziehung dreier Menschen zueinander, die im Roman "Schilf" geschildert wird, für eine engagierte Diskussion.

Der Streit zweier befreundeter Physiker um parallele Welten, Willensfreiheit und Doppelleben führt zu einem verhängnisvollen Missverständnis mit tragischen Folgen. Ein unbegreiflicher, makabrer Mord ist die Konsequenz dieser heftigen Auseinandersetzung. Dem todkranken Kommissar Schilf gelingt es mit unkonventionellen Ermittlungsmethoden, sowohl den Täter zu finden, wie auch den moralisch Schuldigen mit seiner Verantwortung zu konfrontieren.


Beim Romann "Lügnerin" von Ayelet Gundar-Goshen, gingen die Meinungen weit auseinander. Nicht allen Leseratten gefiel der als fast märchenhaft empfundene, auf die Probleme Jugendlicher ausgerichtete Stil. Andererseits wurde uns bewusst, was für einen Einfluss Betroffene und Medien auf den Gang der Ereignisse haben, wenn es um Uebergriffe, Betrug und Lügen geht. Solche Skandale können von eigentlich Unbeteiligten für ihre eigenen Zwecke missbraucht und ausgenutzt werden.


Beim Dezember-Treffen haben wir uns mit den Auswirkungen des Nationalsozialismus auf die Einwohner Wiens auseinandergesetzt. Was sie bedeuteten, führte uns der Roman "Der Trafikant" von Robert Seethaler drastisch vor Augen. Die Bekanntschaft mit dem Juden Sigmund Freud und der Opportunismus seiner Freundin Anezka liessen den jungen Trafikanten Franz Huchel die Tragweite des Regimes langsam begreifen. Durch das verhängnisvolle Verschwinden seines Arbeitgebers, Otto Trsnjek, wurde aus dem etwas naiven Landburschen ein mutiger Bürger.

  Das Buch "Winterjournal" von Paul Auster war Anlass für uns, verschiedene lebensgeschichtliche Themen anzusprechen.

  Ist unser Schicksal vorbestimmt oder eben auch beeinflussbar? Die Meinungen gingen auseinander, führten aber zur Frage, inwieweit wir uns absichern können gegen die Folgen von Schicksalsschlägen. Die Schweizer sind ja Meister im Abschliessen von Versicherungen aller Art.

  Wie steht es mit der Notwendigkeit eines Vorsorgeauftrags, wann und wie sollte dieser erstellt werden? Auch dieses Problem wurde rege erörtert.

  Bewundert haben wir Paul Auster für seinen Entschluss, das Autofahren nach einem schweren Autounfall von einem Tag auf den anderen aufzugeben. Hier wurde das Erkennen des richtigen Zeitpunkts zum Thema.

  Viel zu reden gaben auch die vielen Wohnsitzwechsel des Autors. Sie sind wohl der Grösse der USA geschuldet, wo man eher einem Arbeitsplatz nachzügelt als in der kleinräumigen Schweiz.er 13. September 2017 war dem Buch "Die dunkle Seite der Liebe" von Rafik Schami gewidmet. Auf eindrückliche Weise erzählt der Schriftsteller die dramatische Geschichte zweier verfeindeter Familien in Damaskus. Er schildert die Lebensweise, Bräuche und Kultur im Syrien des letzten Jahrhunderts und gibt uns einen Einblick in eine völlig fremde Welt. Politik spielte sich innerhalb der Familien und Clans ab, wohl bis in die heutige Zeit. Nur wer sich in dieses System einfügte hatte die Chance, in Ruhe und unbehelligt von Denunziation und Verhaftung leben zu können.

  Die Diskussion drehte sich denn auch um unsere eigenen Erfahrungen mit Zwängen und Vorschriften in der westlichen Welt und im eigenen Umfeld.

Den "Mitternachtsweg" zu beschreiten ist ein gefährliches Unternehmen, besonders wenn mysteriöse Ereignisse mitspielen, wie im Buch von Benjamin Lebert, das wir am 19. Juli 2017 diskutierten. Wanderungen übers Wattenmeer, das geheimnisvolle Verschwinden von Menschen und ihr Auftauchen als "Wiedergänger" wird in vielen Legenden und Sagen aus nördlichen Ländern überliefert. Solche Geschehnisse lassen sich mit dem Verstand nicht erfassen. In unserer Diskussion versuchten wir, die rätselhaften Begebenheiten einzuordnen im Wissen, dass viele unbegreifliche Vorfälle zwischen Himmel und Erde letztlich nicht zu erklären sind.

 Unser Treffen vom 7. Juni 2017 war dem Buch "Zürcher Machtspiele" von Monika Dettling gewidmet. Leider entsprach dieser Krimi nicht so ganz unseren Erwartungen, wir empfanden die Handlung als zu wenig spannend. Verschiedene Vorschäge wurden gemacht, wie man etwas mehr "Pfiff" in diese Geschichte bringen könnte. Vor allem der für unser Empfinden zu romantisch geschilderte Freund Raoul hätte in einer anderen Rolle die Dramatik der Geschehnisse sicher aufgemischt. Wir sahen ihn eher als dubiose Gestalt im Dienste der "Zürcher Macht".Das Treffen vom Anfang Mai war dem Buch "Der Geruch des Paradieses" von Elif Shafak gewidmet. Die Debatte drehte sich um die politischen, religiösen und gesellschaftlichen Verhältnisse in der heutigen Türkei, die sich in der Beziehung dreier Freundinnen zueinander widerspiegeln. Auch unsere eigenen Werte und Traditionen wurden rege diskutiert und hinterfragt. Hier Näheres zum Buch.

Unsere März-Lektüre führte uns in eine ganz andere Welt.

Wir haben uns für den Roman "Kinder des Ungehorsams" von Asta Scheib, dtv Verlag entschieden. Er schildert das biographisch nachempfundene Leben der Nonne Katharina von Bora und des Mönchs Martin Luther und deren Heirat. Was damals unvorstellbar war, wäre auch heute sicher mit grossen Schwierigkeiten verbunden.

Unsere Diskussion am 10. Januar 2017, über das Buch "Cox oder Der Lauf der Zeit" von Christoph Ransmayr, stand ganz im Zeichen Chinas, geheimnisvollen Uhrwerken, der Dauer der Ewigkeit. Die lebhafte Debatte berührte viele auch aus heutiger Sicht aktuelle Fragen: den Umgang mit Macht und Bürgerrechten, unser individuelles Zeitempfinden, das Leben im heutigen China im Vergleich zur Zeit des im Buch thematisierten Kaiserreichs.
Eine Neuerscheinung 
Cox oder Der Lauf der Zeit, von Christoph Ransmayr, S. Fischer Verlag,  ein farbiger Roman in einem märchenhaften China. Hier noch zwei Links zu diesem Buch: Inhalt und ein Hinweis im Tagi.

Der "Niedergang" von Roman Graf: Die dramatische Erzählung einer mangelhaft vorbereiteten und unverantwortlich durchgeführten Bergtour, die die trostlose Beziehung der beiden Beteiligten widerspiegelt. Näheres zum diskutierten Buch "Niedergang" kann hier nachgelesen werden.  

Das Buch "Der Fälscher, die Spionin und der Bombenleger" von Alex Capus. Die vielschichtigen Biographien dreier Schweizer Bürger führten zu interessanten Überlegungen, unter anderem bezüglich der Rolle der Schweiz im zweiten Weltkrieg, dessen Auswirkungen das Leben der drei Menschen beeinflusste.


Zum ersten Mal haben wir uns am 23. August 2016 in den gediegen renovierten Räumen an der Stallikonerstr. 54 getroffen. Gelesen und diskutiert haben wir das Buch: "Am Hang" des verstorbenen Schriftstellers Markus Werner. Es lohnte sich, den Band zweimal zu lesen, weil sich viele rätselhafte Passagen der spannenden Handlung erst im Wissen um den Schluss erklären liessen.


Bei Bedarf ein Hinweis zu Buchbestellungen.